Teilhabeangebot St. Michael
Seit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine im Jahr 2022 bietet der Verband Bewohnerinnen mit Assistenzbedarf aus einem Waisenhaus in Kiew ein sicheres Zuhause und individuelle Teilhabemöglichkeiten.
Entstehung des Angebots
Auf Anfrage des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) hat der Caritasverband Brilon kurzfristig Wohnraum für bis zu 17 Menschen mit Assistenzbedarf im Rahmen der Eingliederungshilfe geschaffen. Innerhalb weniger Wochen wurden:
- nicht genutzte Gebäude reaktiviert,
- Räume umgebaut und barrierearm gestaltet,
- zusätzlicher Wohnraum angemietet,
- umfangreiche finanzielle Vorleistungen erbracht.
Seit dem 22.03.2022 leben die Bewohnerinnen im Dachgeschoss des Altbaus des Seniorenzentrums St. Engelbert in Brilon.
Warum "St. Michael"?
Der Erzengel Michael ist der Schutzpatron der Stadt Kiew. Sein Name steht für Schutz, Stärke und Hoffnung - Werte, die das Angebot prägen und den Bewohnerinnen Orientierung geben.
Unser Engagement
Seit mehreren Jahren begleitet der Caritasverband Brilon die geflüchteten Frauen mit Behinderung in ihrem neuen Alltag.
Der Verband ist eng vernetzt mit weiteren Caritasverbänden und christlichen Trägern im Erzbistum Paderborn, um eine bestmögliche Versorgung und Teilhabe sicherzustellen.
Erreichte Ziele
- Sicherheit: Alle Bewohnerinnen leben in einem geschützten Umfeld.
- Teilhabe: Jede Frau erhält individuelle Unterstützung, um ihre persönlichen Fähigkeiten zu entfalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
- Stabilität: Die Begleitung ermöglicht Kontinuität, Verlässlichkeit und eine Perspektive im Alltag.
Herausforderungen und Belastungen
1. Hohe finanzielle Vorleistungen zu Kriegsbeginn
Um schnell helfen zu können, hat der Caritasverband Brilon erhebliche Mittel vorfinanziert. Dazu gehörten:
- Reaktivierung und Renovierung von Gebäuden,
- kurzfristige Umbauten,
- Anmietung zusätzlicher Wohnräume,
- Aufbau eines spezialisierten Betreuungsteams.
Diese Investitionen waren notwendig, werden jedoch bis heute nicht vollständig refinanziert.
2. Unzureichende Leistungs- und Vergütungsvereinbarungen
Die bestehenden Vereinbarungen decken die tatsächlichen Kosten nicht auskömmlich ab. Notwendige Investitionen und laufende Mehraufwände werden nicht berücksichtigt.
Der Kostenträger verweist häufig auf fehlende Bleibeperspektiven der Bewohnerinnen - ein Argument, das der realen Versorgungssituation und dem langfristigen Unterstützungsbedarf nicht gerecht wird.
3. Sprachbarrieren im Alltag
Die Kommunikation zwischen Bewohnerinnen und Mitarbeitenden bleibt herausfordernd. Dies erschwert Teilhabeplanung, medizinische Versorgung und soziale Integration.
Unser Auftrag
Trotz aller Herausforderungen bleibt der Caritasverband Brilon seinem Auftrag verpflichtet: Menschen in Not zu schützen, ihnen Sicherheit zu geben und ihnen Wege in ein selbst bestimmtes Leben zu eröffnen.
Das Teilhabeangebot St. Michael ist Ausdruck dieses Engagements - und ein Zeichen gelebter Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine.