
Brilon. Ein Bleistift und eine Schreibmaschine sind am Anfang der Geschichte gelistet: Mehr brauchte es nicht, um 1946 in Brilon etwas zu beginnen, das bis heute wirkt. Was aus der Not der Nachkriegszeit entstand, ist heute für viele Menschen in der Region ein fester Anker: der Caritasverband Brilon. Unter dem Motto "Caritas verbindet Generationen - Zusammen geht was" feiert der Verband in diesem Jahr sein 80 jähriges Bestehen und bezeugt damit auch 80 Jahre gelebte Nächstenliebe. "Jede Zeit hat Gottes Zeit und Gott braucht uns. Jetzt", zitiert Heinz-Georg Eirund das Gründungsmotto der Stunde 0. "Dieser Gedanke aus der Pionierzeit begleitet die Caritas bis heute. Unsere Geschichte zeigt: Hilfe verändert sich. Zugleich bleibt für uns der Mensch im Mittelpunkt."
Von der Nothilfe zum sozialen Netzwerk
Als die Caritas am 20. Februar 1946 in Brilon gegründet wurde, ging es um das Überleben: Flüchtlinge brauchten Kleidung, Essen, ein Dach über dem Kopf. Acht Dekaden später ist aus der Nothilfe ein dichtes, professionelles Netzwerk geworden. In 64 Diensten und Einrichtungen unterstützt der Caritasverband täglich 5.000 Menschen im Altkreis Brilon und im Dekanat Waldeck. Es sind Familien, Senioren, Menschen mit Behinderungen oder in schwierigen Lebenslagen in allen Altersstufen. "Wir helfen buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre", zitiert Vorstand Eirund den Volksmund mit einem Augenzwinkern, wird nachdenklich. "Wir begleiten Menschen oft über viele Jahre, manchmal ein ganzes Leben lang. Das schafft Vertrauen und echte Verbindung zwischen Generationen."
Menschen, die helfen
Im Mittelpunkt stehen dabei auch die, die helfen: Mitarbeitende und Ehrenamtliche. "Was unsere Arbeit besonders macht, sind die Menschen, die sie tragen", betont Ludwig Albracht, Vorsitzender Caritasrat. "Ihr Engagement, ihre Zeit und ihr Herzblut sind unbezahlbar." Der Anspruch ist dabei seit Jahrzehnten derselbe geblieben: Dem Menschen zu dienen. So lautet das Leitbild für die 1.250 hauptamtlichen und 1.000 ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Caritas Brilon.
Zusammenhalt ist keine Selbstverständlichkeit
Doch auch nach 80 Jahren bleibt die Arbeit im Sozialen im Wandel - und aktuell so herausfordernd wie lange nicht. Themen wie Armut, Fachkräftemangel und der Wandel im Ehrenamt prägen den Alltag ebenso wie spürbare Kürzungen im sozialen Bereich. Hinzu kommen geplante Sozialreformen, deren konkrete Ausgestaltung vielerorts große Verunsicherung auslöst. "Wir sehen mit Sorge, dass Ressourcen knapper werden, während der Bedarf steigt", sagt Eirund. "Wenn Leistungen begrenzt, Strukturen umgebaut oder Finanzierungen reduziert werden, steht nicht nur der Umfang unserer Angebote auf dem Spiel, sondern auch deren Qualität."
Die Caritas befürchtet, dass notwendige Hilfen künftig nicht mehr in der bisherigen Breite, Verlässlichkeit und Tiefe angeboten werden können. Gerade für vulnerable Gruppen, wie ältere Menschen, Familien in belasteten Situationen oder Menschen mit Behinderungen, kann dies spürbare Einschränkungen bedeuten. "Soziale Arbeit lebt von Kontinuität, Nähe und Vertrauen. Wenn diese Grundlagen durch Reformdruck und Einsparungen erodieren, gefährdet das langfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt", betont Eirund. Umso entschlossener setzt sich die Caritas dafür ein, die Versorgung weiterhin sicherzustellen und ein verlässlicher Anker für die Menschen in der Region zu bleiben.
Solidarität ist zentraler Wert
Gerade deshalb verstärkt die Caritas ihr Engagement: "Unser Anspruch ist es, die Versorgung für ältere Menschen, für Familien, für Menschen mit Behinderung und für alle, die Hilfe brauchen, weiterhin sicherzustellen", so Eirund. "Dafür setzen wir uns mit Nachdruck ein." Zugleich ist Solidarität ein zentraler Wert: "Eine funktionierende Gesellschaft lebt davon, dass wir füreinander einstehen", betont Caritastrat-Vorsitzender Albracht. "Dafür wollen wir auch weiterhin ein starkes Zeichen setzen." Dazu gehört auch ein klares Bekenntnis: Unser Kreuz ist bunt und vielfältig. Die Caritas setzt sich für Offenheit, Gerechtigkeit und Chancengleichheit ein. "Mit Blick auf Rechtsruck und Populismus tragen wir unser sozialpolitisches Mandat bewusst auch ins Jubiläum", betont Vorstand Eirund. "Caritas verbindet Generationen - Zusammen geht was: Das Miteinander von Menschen und Generationen wollen wir nicht nur fördern, sondern im Jubiläumsjahr auch gemeinsam feiern", unterstreicht Ludwig Albracht.
INFO 1: Feiern und Begegnung am 11. September
Ein besonderes Event im Jubiläumsjahr wird der 11. September 2026 in der Bildungsstätte St. Bonifatius in Elkeringhausen sein. Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst und offiziellen Festakt. Ab 13 Uhr lädt die Caritas Freunde, Förderer und Interessierte rund um die Zeltkirche zu Begegnung und Grillen ein. "Wir möchten Danke sagen und Menschen zusammenbringen", betont Eirund. "Denn genau das ist Caritas." Gefeiert wird jedoch nicht nur an einem Tag: In allen 64 Diensten und Einrichtungen laufen über das Jahr hinweg Aktionen und Veranstaltungen.
INFO 2 : Die Anfänge
• Gründung am 20. Februar 1946
• Hilfe für Flüchtlinge und Bedürftige nach Ende des Zweiten Weltkrieges
• Start mit minimaler Ausstattung, aber großem Engagement: Suppenküche und Kleiderkammern
INFO 3: Caritas heute
• 64 Dienste und Einrichtungen
• Hilfe für alle Generationen
• Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen
• Engagement in den Dekanaten HSK-Ost (NRW) und Waldeck (Hessen)