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Pressemitteilung

Caritasverband Brilon & Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon warnen vor massiven Folgen der Sozialstaatsreformen für die Versorgung im ländlichen

René Thiemann, Geschäftsführer Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon, und Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon e.V., warnen vor den massiven Folgen der Sozialstaatsreformen.

Erschienen am:

30.09.2026

Herausgeber:
Caritasverband Brilon
Geschäftsstelle
Scharfenberger Str. 19
59929 Brilon
+49 2961 971 90
+49 2961 971 928
+49 2961 971 90
+49 2961 971 928
+49 2961 971 928
info@(BITTE ENTFERNEN)caritas-brilon.de
  • Beschreibung
Beschreibung

René Thiemann, Geschäftsführer Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon (steht links im Bild), und Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon e.V. (rechts im Bild), warnen vor den massiven Folgen der Sozialstaatsreformen.Gemeinsam für die Versorgung im ländlichen Raum: René Thiemann, Geschäftsführer Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon (links im Bild), und Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon e.V. (rechts), warnen vor den massiven Folgen der Sozialstaatsreformen. (Foto: Katja Tusch/Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon)Katja Tusch / Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon

Brilon. Auf die aktuellen Reformen im Gesundheits‑ und Sozialwesen blicken die beiden größten Institutionen im Altkreis Brilon mit großer Sorge. Der Caritasverband Brilon und das Krankenhaus Maria-Hilf Brilon schließen sich deshalb erstmals in dieser Form zusammen, um gemeinsam auf die drohenden Auswirkungen aufmerksam zu machen. Beide Träger betonen, dass sie sich aus Verantwortung für die Menschen in der Region zusammenschließen: Ziel sei es, die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern und die Qualität sozialer und medizinischer Leistungen trotz politischer Einsparmaßnahmen zu erhalten.

Hintergrund: Zwei starke Träger im ländlichen Raum

Der Caritasverband Brilon ist mit 64 Diensten und Einrichtungen der größte Arbeitgeber der Region. Über 1.250 Mitarbeitende erreichen täglich über 5.000 Menschen aller Altersstufen in der Pflege, Beratung, Begleitung, Eingliederungshilfe und existenzsichernden Hilfen.

Das Städtische Krankenhaus Maria-Hilf Brilon versorgt als zentraler medizinischer Anbieter im Hochsauerland jährlich über 17.000 Patientinnen und Patienten. Mit rund 200 Betten und ca. 500 Mitarbeitenden gewährleistet das Haus die Grund- und Regelversorgung in den Fachbereichen Allgemeine Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Kardiologie, Geriatrie und Intensivmedizin. Ergänzt wird das Versorgungsangebot durch die Belegabteilung Urologie sowie die Teilnahme an der Notfallversorgung. Der Gesundheitspark in Brilon wird durch verschiedenste Facharztpraxen, medizinische Zentren und dem Bildungsinstitut für Gesundheit ergänzt.

Beide Träger stellen sich den strukturellen Herausforderungen.

"Was als Reform bezeichnet wird, sind Einsparpakete" - Caritasverband Brilon

Heinz‑Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon, ordnet die Reformen deutlich ein: "Diese Reformen betreffen alle Menschen und alle Generationen. Gesundheit, Pflege, Rehabilitation, Eingliederungshilfe, Jugend‑ und Familienhilfe: Wer ein Problem hat, wird es zukünftig noch schwerer haben Hilfe und Lösungen zu finden. Was als Reform bezeichnet wird, sind in Wahrheit reine Einsparpakete."

Besonders fürchtet Eirund die negativen Auswirkungen auf die Tariftreue: "Wenn tarifliche Vergütungen nicht mehr vollständig refinanziert werden, führt das zu Leistungseinschränkungen, steigendem Arbeitsdruck und weiterem Fachkräftemangel. Das gefährdet die Qualität der Versorgung und erhöht den wirtschaftlichen Druck auf die Träger."

Auch die geplanten Änderungen in der Pflege, wie etwa spätere Zugänge zu Leistungen, gekürzte Budgets und neue, nicht auskömmliche Finanzierungsmodelle, treffen insbesondere Frauen als pflegende Angehörige und Pflegebedürftige hart. Eirund: "Unterversorgung, steigende Wartezeiten und eine Verschlechterung des Pflegezustands sind absehbar. Familien werden zusätzlich belastet, denn das Geld für professionelle Dienste ist nicht mehr da."

"Die Belastungen für ländliche Kliniken sind enorm" - Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon

René Thiemann, Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses Maria-Hilf Brilon, sieht vor allem das GKV‑Beitragssatzstabilisierungsgesetz kritisch. "Für ländliche Krankenhäuser überwiegen die wirtschaftlichen Belastungen deutlich. Die Deckelung der Budgetentwicklung, das Ende der vollständigen Pflegekostenrefinanzierung und die Ausweitung der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst, welche einen erheblichen administrativen Mehraufwand abseits der Patientenversorgung verursachen, erhöhen den Druck auf das Krankenhaus massiv."

Thiemann erläutert die Folgen für die Klinik: "Wenn steigende Personal‑ und Sachkosten nicht mehr auskömmlich refinanziert werden, trifft das ländliche Häuser besonders hart. Gleichzeitig steigen die Anforderungen etwa durch strengere Abrechnungsprüfungen mit höherem Finanzrisiko und Bürokratiewachstum. Das bindet Zeit, Mittel, Geld und buchstäblich auch Nerven, die besser, weil zweckdienlicher wie menschlicher in die Patientenversorgung fließen müssten."

Gemeinsamer Appell aus Brilon

Krankenhaus und Caritas fordern eine Überarbeitung der Reformen mit Blick auf die Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum. Thiemann appelliert: "Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die Qualität und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen ermöglichen." Eirund ergänzt: "Gute Pflege, gute Medizin und gute soziale Arbeit sind nur möglich, wenn die medizinischen und sozialen Institutionen inklusiver der Tariftreue finanziell abgesichert bleiben. Die Menschen im ländlichen Raum dürfen nicht die Leidtragenden von Sparmaßnahmen werden."

Infokasten 1:
Überblick über die geplanten Reformen im Gesundheits- und Sozialwesen

Die aktuellen Reformen im Gesundheits‑ und Sozialwesen betreffen alle Altersklassen: von Kindern über pflegende Angehörige bis hin zu Seniorinnen und Senioren. Besonders stark werden Frauen belastet, da sie überdurchschnittlich häufig Pflegearbeit leisten, in sozialen Berufen arbeiten und familiäre Versorgungslücken auffangen müssen. Brisanz haben die Reformen vor allem für ländliche Regionen wie dem Sauerland.

GKV‑Beitragssatzstabilisierungsgesetz (beschlossen)

Gedeckelte Budgetsteigerungen
Krankenhäuser dürfen ihre Budgets nur noch um eine reduzierte Grundlohnrate erhöhen. Steigende Personal‑ und Sachkosten werden nicht vollständig refinanziert.
Folgen: Gefahr von Qualitätsverlusten und wirtschaftlicher Schieflage, besonders in ländlichen Regionen.

Ende der vollständigen Pflegekostenrefinanzierung
Pflegebudgets orientieren sich am Vorjahresbudget und decken reale Kostensteigerungen nicht mehr vollständig ab.
Folgen: Krankenhäuser müssen steigende Pflegekosten selbst tragen; pflegeentlastende Maßnahmen werden reduziert.

Kurzzeitfallpauschalen ab 2028
Aufenthalte bis zu drei Tagen werden für bestimmte Fallgruppen pauschal vergütet.
Folgen: Weitere Ambulantisierung, wohlmöglich geringere Vergütung.

Ausweitung der Prüfungen des Medizinischen Dienstes
Prüfquoten steigen deutlich, Dokumentationsaufwand wächst massiv.
Folgen: Ressourcen fließen noch stärker in Bürokratie statt in Patientenversorgung.

Verpflichtende Zweitmeinungsverfahren
Mehr geplante, nicht akute Eingriffe (bspw. Hüft-OP, Gallenblasen-Entfernung, Gelenkspiegelung) benötigen eine zweite ärztliche Einschätzung.

 

Infokasten 2:
Auswirkungen auf Menschen, Familien und Einrichtungen

Pflege und häusliche Versorgung

Späterer Zugang zu Leistungen
Pflegebedürftige erhalten erst bei höherer Pflegebedürftigkeit finanzierte Unterstützung. 
Folgen: Pflegezustand verschlechtert sich, Familien müssen mehr leisten.

Belastung der Sozialstationen
Dörfer können wirtschaftlich nicht mehr vollständig angefahren werden.
Folgen: Unterversorgung im ländlichen Raum, wo zugleich viele ältere Menschen (allein) leben.

Neue Budgets: Entlastungs‑, Überbrückungs‑, Sozialraumbudget
Leistungen werden gekürzt oder nur teilweise finanziert.
Folgen: Alltagsbegleitung, Tagespflege und kurzfristige Pflege müssen zunehmend privat bezahlt werden. Wer nicht genug Geld hat, muss selber pflegen.

Familien und pflegende Angehörige

Frauen tragen Hauptlast
Frauen übernehmen den Großteil der Pflegearbeit und kompensieren Versorgungslücken.
Folgen: Steigende Belastung, höhere Armutsrisiken, weniger Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Einrichtungen und FachkräfteTariftreue wird infrage gestellt und Tarifsteigerungen werden nur teilweise refinanziert.
Folgen: Fachkräftemangel verschärft sich, Arbeitsdruck steigt, Einrichtungen schließen.

Qualitätsrisiken in Kliniken und Pflegeeinrichtungen
Weniger Personal, mehr Bürokratie, geringere Refinanzierung.
Folgen: Gefahr von Leistungseinschränkungen und längeren Wartezeiten.

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Hilfen

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  • Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit Suchterkrankung
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Engagement

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  • Persönliche Mitgliedschaft
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Vor Ort

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Werkstätten

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