Brilon. Die Auswirkungen globaler Krisen und Kriege sind längst im Alltag der Menschen im Altkreis Brilon angekommen. Steigende Preise, wachsende Unsicherheiten und zunehmender Druck auf viele Haushalte verschärfen die soziale Lage spürbar. Entsprechend deutlich fiel das Signal beim Auftaktgespräch des Caritasverbandes Brilon aus: Die Bekämpfung von Armut rückt erneut in den Mittelpunkt gemeinsamen Handelns.
Vertreter mehrerer Kommunen folgten der Einladung der Caritas, um über die Idee eines gemeinsamen Sozialfonds zur Aufrechterhaltung der armutsorientierten Angebote zu beraten. Der Tenor des Treffens: offen, konstruktiv und geprägt von einem klaren Problembewusstsein - auch mit Blick auf knapper werdende Mittel in den Haushalten der Kommunen wie der Caritas Brilon. Die Not steigt; das Geld für Hilfe sinkt.
Mit am Tisch saßen Marcus Bange (Allgemeiner Vertreter des Bürgermeister Stadt Brilon), Olsbergs Bürgermeister Patrick Potthoff, Hallenbergs Bürgermeister Enrico Eppner sowie Klaus Rosenkranz (Allgemeiner Vertreter des Bürgermeister Stadt Marsberg). Aus Medebach brachte Heinz-Willi Frese als Leiter von Jobcenter und Sozialamt seine Perspektive ein. Die Stadt Winterberg konnte aus Termingründen keinen Vertreter entsenden.
Dass die Caritas dieses Thema vorantreibt, ist kein Zufall. Die Unterstützung von Menschen in Not gehört seit jeher zu ihrem Selbstverständnis. "Armut zu lindern, soziale Ungleichheit sichtbar zu machen und konkrete Hilfe zu organisieren, das war, ist und bleibt unser Kernauftrag", betont Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband. Doch zugleich stoßen viele bestehende Angebote zunehmend an ihre Grenzen, und zwar finanziell, personell und strukturell.
Genau hier setzt die Idee eines Sozialfonds an. "Ausgangspunkt sind die konkreten Bedarfe vor Ort. Durch die Bündelung von Mitteln und Engagement aus Kommunen, Kirchen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft soll ein Instrument entstehen, das schnell und gezielt dort hilft, wo Unterstützung gebraucht wird. Es geht nicht nur darum, bestehende Angebote abzusichern, sondern auch neue Wege in der Armutsbekämpfung zu eröffnen", sagte Nicolas Hilkenbach, Fachbereichsleiter Beratung und existenzsichernde Angebote.
Beim Auftaktgespräch wurde deshalb nicht nur die grundsätzliche Idee begrüßt, sondern auch konkret diskutiert, wie ein solcher Fonds aussehen kann. Eine wichtige Rolle sollen belastbare Zahlen zu sozialen Bedarfen spielen, ebenso wie die Frage nach einem realistischen Finanzrahmen. Klar ist auch: Ohne eine enge Abstimmung zwischen den Kommunen wird es nicht gehen. Themen wie interkommunale Zusammenarbeit, einheitliche Verfahren und die Einbindung weiterer Akteure sollen deshalb früh auf die Agenda gesetzt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass politische Mehrheiten und die jeweiligen Haushaltslagen vor Ort entscheidende Faktoren für die Umsetzung sein werden.
Der geplante Sozialfonds ist damit mehr als ein einzelnes Projekt. Der Sozialfonds ist als gemeinsamer Prozess angelegt, der unterschiedliche Kräfte bündelt und dauerhafte Wirksamkeit entfalten soll. Zugleich soll das gemeinsame Engagement auch als Zeichen der Solidarität stehen, dass arme und von Armut bedrohte Menschen in ihren Lebenslagen gesehen und gehört werden.