
Elkeringhausen / Altkreis Brilon / Waldeck. Der Caritasverband Brilon feierte am Freitag, 11. September, sein 80-jähriges Bestehen im Bildungshaus St. Bonifatius in Elkeringhausen. Zum Veranstaltungsort gehörten die Zeltkirche für den Festakt sowie die Bonny Range, auf der am Nachmittag ein offenes Beisammensein stattfand. Über 450 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wohlfahrtspflege, Ehrenamt sowie der Dienstgemeinschaft und Menschen, die die Caritas Brilon begleitet, nahmen teil. Gemeinsam setzten sie ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und regionale Verbundenheit. "Zusammen geht was: Caritas verbindet Generationen", lautete das Jubiläumsmotto.
Ökumenischer Gottesdienst setzt den Auftakt
Der Festtag begann um 11 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Pfarrerin Raeggel und Pfarrer Lipinski. Den musikalischen Rahmen übernahmen die Caritas ABW-Band und Organist Stephan Schmitz. Im Fokus standen auch beim Gottesdienst die Menschen, die aufgrund von besonderen Herausforderungen Hilfe, Pflege, Begleitung und Beratung im Leben brauchen: Alte und Junge, Arme und Kranke, Einsame und Familien sowie Menschen mit Behinderungen, in Not, mit Zuwanderungsgeschichte oder Suchterkrankung. Ihre Lebenswege wurden anhand von kunstvoll umgestalteten Schuhwerken symbolisch eingefangen. "Zusammen geht was": Das Jubiläumsmotto prägte auch den visuellen Auftritt in Form der Schuh-Kunstwerke während der gesamten Feier. Zugleich betonte Vorstand Heinz-Georg Eirund, dass Jubiläum bewusst mit Blick auf die Wurzeln der Caritas Brilon gefeiert werde. Dazu gehören der Leitsatz "Not sehen und handeln" sowie das Leitbild des Caritasverbandes Brilon "Dem Menschen dienen".
Festakt in der Zeltkirche mit sozialpolitischer Agenda
Im Festakt ab 12 Uhr blickte Vorstand Eirund auf die Geschichte des Verbandes und die aktuellen sozialpolitischen Herausforderungen. Er erinnerte an die Gründung des Caritassekretariats Brilon im Jahr 1946 und an das damalige Motto: "Jede Zeit ist Gottes Zeit. Und Gott braucht uns. Jetzt!" Dieses Selbstverständnis und die Verpflichtung zu "Not sehen und handeln" seien bis heute handlungsleitend für die Entwicklung der sozialen Dienste, die Rechte von Menschen mit Hilfebedarfen und die Bedeutung von Teilhabe und sozialer Sicherheit für die Caritas Brilon.
In seiner Rede sprach Eirund klare Akzente sowie harsche Kritik zur aktuellen Sozialpolitik aus. Er warnte vor den Folgen der geplanten Sozialstaatsreformen, die besonders ländliche Regionen treffen werden. Unterversorgung, steigende Armut, Rückschritte in der Teilhabe und ein verschärfter Fachkräftemangel seien absehbar. Gleichzeitig betonte er die Bereitschaft des Verbandes, Verantwortung zu übernehmen, Zukunft zu gestalten und sich konstruktiv in politische Debatten einzubringen. "In unsicheren Zeiten braucht es verlässliche soziale Strukturen, die Menschen Sicherheit geben", forderte Heinz-Georg Eirund.
Vielfalt als Stärke: Caritas Brilon bezieht klare Haltung
Ein Schwerpunkt der Rede war die Haltung des Verbandes zu Vielfalt und Menschenwürde. Eirund hob hervor, dass im Caritasverband Brilon Mitarbeitende aus über 40 Nationen arbeiten. Vielfalt sei ein zentraler Wert und ein großer Schatz. Mit deutlichen Worten kritisierte er die AfD und warnte vor gesellschaftlicher Spaltung. "Der Ton, mit dem Menschen begegnet wird, ist unerträglich und gefährdet das soziale Miteinander", kritisierte Eirund.
Offenes Beisammensein auf der Bonny Range
Ab 13 Uhr begann das offene Beisammensein auf der Bonny Range. Gäste aus allen Generationen kamen miteinander ins Gespräch, informierten sich an Ständen über die handgefertigte Produktlinie "HerzWerk - made with love for you" der Caritas Werkstätten St. Martin und über die aktuell laufende Petitions-Kampagne zur Tariftreue im Gesundheits- und Sozialsystem. Die jüngeren Gäste konnten an der Bonny Range auf Pool-Noodle-Hobby Horses aufsitzen und sich Button selbst gestalten.
Menschen im Mittelpunkt des Jubiläums
Im Mittelpunkt des 80-jährigen Verbandsjubiläum standen immer die Menschen im solidarischen Miteinander. Eirund dankte daher insbesondere den 1.100 Ehrenamtlichen und 1.250 Mitarbeitenden des Verbandes. "Sie sind das Fundament der erfolgreichen Entwicklung." Ebenso würdigte er die 5.000 Patientinnen und Patienten sowie Klientinnen und Klienten, die täglich Leistungen der Caritas Brilon in Anspruch nehmen und dem Verband ihr Vertrauen schenken.
Zuversicht trotz Krisenzeiten: Segel neu setzen
Trotz der Krisenzeiten zeigte sich Eirund optimistisch: "Wir werden uns den Herausforderungen stellen und Veränderungen mitgestalten." Den caritativen Gestaltungswillen stellte er unter das Zitat von Aristoteles: "Wir können den Wind nicht ändern. Wir können nur die Segel neu setzen."
Infokasten: 80 Jahre Caritasverband Brilon
Gründung: Am 20. Februar 1946 wurde das Caritassekretariat Brilon gegründet. Erste Geschäftsführerin war Helena Langer, die in 2023 mit 102 Jahren verstorben war. Das Gründungsmotto lautete: "Jede Zeit ist Gottes Zeit. Und Gott braucht uns. Jetzt!"
Entwicklung: Aus ersten Angeboten für Weltkriegsvertriebene, Arme und Familien entstanden über Jahrzehnte vielfältige und immer professionalisiertere Dienste: Beratung in allen Lebenslagen, Migrations- und Suchtberatung, Mutter-Kind-Kliniken, ambulante, teilstationäre und stationäre Pflege, Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie zahlreiche Teilhabeangebote.
Heute: Der Verband umfasst 64 Dienste und Einrichtungen in drei Gesellschaften in den Dekanaten Hochsauerland-Ost (NRW) und Waldeck (Hessen). und beschäftigt 1.250 Mitarbeitende sowie über 1.100 ehrenamtlich Engagierte. Täglich werden rund 5.000 Patientinnen, Patienten und Klientinnen begleitet. Eine eigene Stiftung fördert Menschen mit Behinderungen. Das Leitbild lautet: "Dem Menschen dienen". Die Caritas Brilon hilft unabhängig von Herkunft, Konfession oder Lebensleistung.