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Stand: 07.10.2014

Pressemitteilung

Zwischen Achtung und Achtsamkeit - Über Hilfe in Krisenzeiten

Heinz-Georg Eirund"Solidatisch in der Krise zum Nächsten stehen": Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband BrilonFoto: Caritas Brilon / Sandra Wamers

 Altkreis Brilon / Waldeck. Das Coronavirus hat nun Deutschland - auch unsere Heimatregion - fest im Griff. Der Caritasverband Brilon ist mit seinen mehr als 1.150 Mitarbeitenden, die sich in den 54 Diensten und Einrichtungen um Menschen in Not- und Hilfesituationen kümmern, extrem gefordert. "Wir mussten in den vergangenen Tagen neue Regelungen treffen und offiziellen Erlassen folgen und diese umsetzen", sagt Caritas-Vorstand Heinz-Georg Eirund und betont in einem Atemzug: "Dabei behalten wir die Menschen im Blick. Wir wollen die uns anvertrauten Menschen als auch unsere Mitarbeitenden schützen - ebenso die Allgemeinheit, also uns Bürgerinnen und Bürger, Jüngere wie Ältere. Wir geben aufeinander Acht."
Aufeinander Acht geben, bedeutet in diesen Tagen auch immer besonders achtsam zu sein. Um die Infektionsgefahr zu reduzieren, wurden in Einrichtungen und Diensten Besucherregelungen, Öffnungszeiten und Kommunikationswege geändert. Regelungen, die notwendig sind: Täglich haben die Caritas-Mitarbeitenden Kontakt zu durchschnittlich 5.000 Bürgern, die Rat und Hilfe suchen. Normalerweise. Aus Sicherheitsgründen sind die Kontakte reduziert. "Dennoch tun wir alles, um die Angebote möglichst aufrechtzuerhalten", betont Vorstand Eirund.
Die medizinische Versorgung von älteren, kranken und Menschen mit Behinderung in den Seniorenzentren und Wohnhäusern sowie durch die Sozialstationen hat dabei natürlich höchste Priorität. 

Neben dem körperlichen Wohl wird die Caritas, soweit wie in der aktuellen Krisensituation möglich, auch das seelische Wohlbefinden der Menschen im Blick behalten. Konkret geht es um die Ansprache von Menschen, die alleine leben - so wie viele Senioren in ihren Wohnungen. Viele werden dabei durch das Angebot der Alltagsbegleitung in Form von Betreuung und hauswirtschaftlichen Hilfen unterstützt. "Solche Sozialkontakte wollen wir, so lange wie es möglich und vertretbar ist, aufrechterhalten", betont Vorstand Eirund. Soziale Ansprache benötigen auch Menschen mit Behinderung, die in eigenen Wohnungen leben und vom Ambulant Betreuten Wohnen begleitet werden. Mit der Schließung der Caritas-Werkstätten St. Martin am Dienstag müssen sich die 670 Beschäftigten einer neuen Alltagsstruktur stellen. Diese Umstellung kann schnell Unsicherheit, gleichsam Einsamkeit in sich bergen. In den Caritas-Wohnhäusern mit 170 Plätzen kann dieses jetzt aufgefangen werden. Mit Blick auf die Dienstgemeinschaft betont Eirund: "Trotz der Krise und die daran gebundene Unsicherheit ist die Einsatzbereitschaft der Mitarbeitenden unglaublich hoch. Dafür bin ich sehr dankbar und auch stolz."

"Die Steuerung der 54 Angebote, Dienste und Einrichtungen ist aktuell sehr anstrengend", sagt Heinz-Georg Eirund. Um die Kommunikation und Abläufe zu sichern, wurde deshalb für alle Fachbereichs- und Einrichtungsleitungen eine Urlaubssperre ausgesprochen. Allabendlich bespricht die Steuerungsgruppe aktuelle Entwicklungen, Fragestellungen und Herausforderungen. Dazu gehört beispielsweise auch, Muss-Optionen (medizinische Versorgung) und Kann-Optionen (tägliche Dusche) zu definieren. Eirund: "Auch wenn wir die Krise überstanden haben, und das werden wir, werden wir uns noch lange mit den Folgen beschäftigen müssen - im Guten wie im Schlechten." Und dass die Corona-Krise erhebliche wirtschaftliche Folgen für den Caritasverband Brilon haben wird, das ist schon jetzt absehbar. "Um dem zu begegnen, brauchen wir die Unterstützung der Politik."

"Wir müssen in kurzer Zeit Entscheidungen treffen, auch neue Alternativen und Wege finden und gehen. Und besonders wichtig ist, dass wir auch und vor allem in dieser Krisenzeit solidarisch in der Kollegschaft zu unseren Nächsten stehen." So ruft die Youngcaritas aktuell im Altkreis Brilon weitere Jugendliche und Gruppen ab 16 Jahren zu einem Einkaufs-Service für Ältere auf. Ein solcher ist von der Youngcaritas Korbach in Kooperation mit den Caritas-Konferenzen und Kirchengemeinden bereits angelaufen. Und etwas Existenzielles läuft ebenfalls an: Um die Hygieneanforderungen aufrechterhalten zu können, fertigt die Caritas Brilon in Eigenregie Schutzmasken an. Und auch dabei zeigt sich Solidarität: Dem Aufruf in die Dienstgemeinschaft, beim Nähen zu helfen, sind in 15 Minuten über 40 Mitarbeitende und deren Angehörige gefolgt.