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Stand: 07.10.2014

Pressemitteilung

Medikamente: Fluch oder Segen?

Hochsauerlandkreis. Deutschland ist nach den USA, China und Japan der viertgrößte Arzneimittelmarkt der Welt. 2017 wurden in Deutschland 1,5 Mrd. Arzneimittelpackungen verkauft. Viele Arzneimittel sind dabei unverzichtbar, so bei der Behandlung von Krebs, Rheuma, Diabetes, MS oder weiteren schwerwiegenden Erkrankungen. „Auffallend ist jedoch auch der Konsum von Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmitteln“, sagt Liliane Schafiyha-Canisius, Leiterin der Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbandes Brilon. Die Suchttherapeutin weiß: „Bei längerfristiger Einnahme können diese zu einer Abhängigkeit führen, die oft erst sehr spät erkannt wird.“ 

Schlafmittel und Tranquilizer haben das Potenzial, bereits nach wenigen Wochen eine Abhängigkeit zu erzeugen. „Sehr häufig betrifft dies ältere Menschen, die durch die Medikamenteneinnahme verlangsamt sind, in ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten eingeschränkt, zu Stürzen neigen oder einfach vergesslich wirken, was das Umfeld dann als Alterserscheinung fehlinterpretiert“, sagt Liliane Schafiyha-Canisius. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sind in Deutschland 1,5 Millionen Menschen von bestimmten Schlaf- und Beruhigungsmitteln abhängig, zwei Drittel davon im Alter von über 65 Jahren und davon wieder zwei Drittel Frauen.  

„Während viel über Alkohol-, Cannabiskonsum und Konsum illegaler Drogen geschrieben wird, ist es in den letzten Jahren ruhig um die „stille Sucht“ geworden“, sagt die Expertin. Medikamentenabhängige sind meist angepasst, freundlich, oft schweigsam, zurückgezogen. Oft war der Weg in die Sucht langsam schleichend, nicht beabsichtigt, aber auch ein Weg, unliebsame Gefühle zu betäuben. „Ist der Zeitpunkt erreicht, an dem die Medikamente nur noch genommen werden, um Entzugssymptome wie Stimmungsabfälle, Unruhezustände oder starkes Verlangen nach erneutem Konsum zu reduzieren, sollte man sich Hilfe suchen.“ Dabei hilft der Hausarzt oder die Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbandes Brilon, die kostenlos und unter Schweigepflicht beraten.

Kurzfristige Termine in der Ferienzeit

Für die Ferienzeit hat die Suchtberatung das Angebot einer besonders schnellen Terminvergabe. Betroffene selbst, aber auch Angehörige sind herzlich willkommen, sich bei dem Verdacht einer Abhängigkeit beraten zu lassen.

Terminvergaben sind möglich in der Hauptstelle in Brilon Telefon 02961 779977-0 und in der Nebenstelle Meschede Telefon 0291 99970. Außerdem erfolgen Terminvergaben in den  Außenstellen in Marsberg, Winterberg, Schmallenberg und Eslohe. Die Terminvereinbarung hierzu erfolgt ebenfalls über Brilon und Meschede.