Im guten Gespräch: (v. l.) Landrat Thomas Grosche, Caritasvorstand Heinz-Georg Eirund, Thomas Schneider (Caritas Geschäftsführer Beratung + Erziehung + Teilhabe) und Sabine Becker (Leitung Caritas Sucht- und Drogenberatung). FOTO: CARITAS BRILON / WAMERS
Meschede/Brilon. Der Caritasverband Brilon hat seinen Antrittsbesuch beim neuen Landrat des Hochsauerlandkreises, Thomas Grosche, im Kreishaus Meschede absolviert. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und die Zukunft sozialer Angebote. Heinz-Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon, präsentierte die vielfältigen Hilfen und Dienste des Verbandes und machte deutlich: "Die Rahmenbedingungen sind nicht mehr so, dass wir einfach weitermachen können. Die nicht auskömmliche Refinanzierung bedroht die Hilfeangebote von der Pflege über Therapie und Eingliederungshilfe qualitativ und quantitativ." Mit 64 Diensten und Einrichtungen in den Dekanaten HSK-Ost und Waldeck, 1.250 Mitarbeitenden und täglich rund 5.000 Kontakten ist die Caritas Brilon zentrale, soziale Akteurin im HSK, Investor und einer der größten Arbeitgeber. Zugleich steht der Verband unter massivem Druck durch steigende Kosten, Fachkräftemangel und wachsende Bürokratie.
Schwerpunktthema: Erhalt der Suchtberatung
Sabine Becker, Leiterin der Caritas Sucht- und Drogenberatung, stellte die Arbeit der einzigen spezialisierten Beratungsstelle im HSK vor, die bereits seit 1973 besteht. "Der Erhalt dieser wichtigen Beratungsstelle ist trotz schwieriger Refinanzierung für die Menschen sehr wichtig", betonte Sabine Becker. In der Statistik für 2024 sind über 1.800 Beratungskontakte verzeichnet und 558 Klienten hat das Team begleitet. Zur Arbeit gehören auch Präventionsangebote, Therapievorbereitung, Vermittlung an stationäre Einrichtungen sowie die ambulante Rehabilitation. Letztere ermöglicht, den professionell begleiteten Weg in ein suchtfreies Leben parallel zum Familien- und Berufsleben zu gehen. Landrat Thomas Grosche würdigte "den Wert und die hervorragende Qualität" dieses wichtigen Hilfsangebotes und kündigte an, über die Finanzierung der Suchtberatung kurzfristig ein weiteres Gespräch zu führen.
Landrat Grosche: Gestalten statt nur verwalten
Landrat Grosche unterstrich seinen Gestaltungswillen: "Ich kann die Zukunft nicht genau voraussagen, aber ich kann sie gestalten. Dazu gehört auch, im Kleinen Erfolge erzielen, um das große Ganze gut zu machen." Er bekannte sich zu Vertrauen und Wertschätzung: "Ich setze auf Vertrauen, nicht auf Misstrauen. Natürlich wird geprüft, wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist. Aber ich möchte bürokratische Prozesse auch hinterfragen: Warum ist das so? Kann das nicht einfacher gehen?" Mit Blick auf die gesellschaftliche Lage sagte Grosche: "Wohlstand ist noch da; allerdings steigen die Existenzängste. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander." Als Bürgermeister von Medebach habe er den Caritas-Warenkorb besucht, um dort mit den Kunden und Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen.
Gemeinsame Verantwortung für soziale Sicherheit
Caritasvorstand Heinz-Georg Eirund warb für die Einrichtung eines Sozialfonds zur Armutsbekämpfung im Altkreis Brilon, getragen von den Kommunen, Wirtschaft und Kirche: "Im Sozialstaat gehört auch zum Verteidigungsmodus, dass Menschen in existenziellen Notlagen abgesichert sind. Das ist ein Wert, der nicht vergessen werden darf." Beide Seiten waren sich einig: Kleine Bausteine des riesigen Mosaiks müssen angegangen werden, um Schritte in die richtige Richtung zu machen.
Hintergrund: Herausforderungen der Zeit
Globale Krisen, Kriege, Wirtschaftsflaute, steigende Armut und ein schwindender gesellschaftlicher Zusammenhalt belasten die Arbeit der Wohlfahrtspflege massiv. "Wir können den Wind nicht ändern. Aber wir können die Segel richtig setzen", zitierte Eirund Aristoteles, das auch ein Leitmotiv für die Zukunftsstrategie des Caritasverbandes Brilon ist.