Hochsauerlandkreis / Waldeck. Die Diskussion über Versorgungssicherheit und mögliche Blackout‑Szenarien bewegt derzeit viele Menschen. "Auch soziale Einrichtungen stehen dabei im Fokus, wie wir leider am Beispiel Berlins sehen", sagt Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon. Die Caritas Brilon beschäftigt sich schon seit 2022 intensiv mit dem Thema und hat seitdem einen spezialisierten Krisenstab samt separater Konzepte für alle 64 Einrichtungen und Dienste eingerichtet, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.
"Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass immer alles funktioniert", sagt Heinz‑Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon. "Unsere Verantwortung gegenüber den Menschen, die wir betreuen und unseren Mitarbeitenden, endet nicht bei schönem Wetter und stabilen Netzen. Wir müssen vorbereitet sein - auch auf Situationen, die wir uns heute noch kaum vorstellen möchten." Die Angebote und Hilfen der Caritas Brilon erreichen im Einzugsgebiet, wozu die Dekanate HSK-Ost und Waldeck gehören, tagtäglich über 5.000 Menschen aller Altersstufen.
Bereits Ende 2022 wurde der Krisenstab "Blackout" gegründet. Hintergrund waren Energieunsicherheiten und Lieferengpässe in Folge geopolitischer Unsicherheiten sowie die zunehmende Häufung von Extremwetterereignissen. Seitdem erstellt der Verband Notfallpläne, bevorratet Material und Lebensmittel. Darüber hinaus sind die Stationären Bereiche und Werkstatt-Standorte mit Notstromaggregaten ausgestattet worden und regelmäßigen Übungen werden durchgeführt. "Uns war früh klar: Wenn ein großer Stromausfall oder ein schweres Unwetter eintritt, müssen wir innerhalb weniger Stunden reagieren können. Dafür brauchen wir klare Abläufe, Kooperationsstrukturen und eine Belegschaft, die weiß, was zu tun ist", betont Vorstand Eirund. Gesondert geführt wird ein Krisenstab für den Ausfall der IT etwa in Folge von Cyberangriffen. "Refinanziert werden diese Vorsichtsmaßnahmen allerdings nicht", merkt Vorstand Eirund kritisch an. Das Krisenmanagement muss aus Eigenmitteln und Rücklagen finanziert werden.
In mehreren Übungen wurden bereits Stromausfälle, Hochwasser und Evakuierungen durchgespielt. Im Juli 2025 wurde als Szenario ein schweres Unwetterszenario in Marsberg und Hallenberg zugrunde gelegt. Dabei zeigte sich, wie wichtig funktionierende Kommunikationswege, Notstromversorgung und verlässliche Transportstrukturen sind. Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums Hallenberg konnten in dem Szenario schnell in Sicherheit gebracht werden, die ambulante Pflege blieb trotz gesperrter Straßen gesichert und Werkstätten stellten kurzfristig Übernachtungsräume für Beschäftigte bereit.
Neben der eigenen Vorbereitung setzt die Caritas Brilon auf das, was in Krisenlagen oft am wichtigsten ist: Zusammenhalt. "Nachbarschaftshilfe ist ein Faktor, den wir nicht unterschätzen dürfen", erklärt Eirund. "Wenn ein Mensch in der eigenen Straße Unterstützung braucht - sei es eine warme Mahlzeit, ein Akku zum Aufladen oder einfach ein Gespräch - dann ist das ein Beitrag, der Leben stabilisieren kann."
Mit Blick auf die kommenden Jahre will der Verband seine Maßnahmen weiter ausbauen. Klimawandel, Extremwetter, digitale Risiken und internationale Krisen machten deutlich, dass Vorsorge keine Option, sondern eine Verpflichtung sei. "Wir können Krisen nicht verhindern", so Eirund. "Aber wir können dafür sorgen, dass wir ihnen gut begegnen."
INFOBOX: Krisenvorsorge beim Caritasverband Brilon - von Aggregaten
• Krisenstab seit 2022:
Reaktion auf Energieunsicherheiten, Extremwetter und Lieferengpässe.
• Regelmäßige Übungen:
Simulationen zu Stromausfall, Hochwasser, Evakuierungen und Ausfall kritischer Infrastruktur.
• Notfallkonzepte und Materialien
Bevorratung von Lebensmitteln, Treibstoffen, Notstrom-Aggregate, Starlink-Antennen, Verbrauchsmaterialien; interne Kommunikations- und Alarmpläne.
• Fokus auf vulnerable Gruppen:
Sicherung der ambulanten Versorgung, Schutz von Senioren und Menschen mit Behinderung.
• Zusammenarbeit im Quartier:
Aufruf zur Nachbarschaftshilfe und enge Abstimmung mit Kommunen und Rettungsdiensten.