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Stand: 07.10.2014

Pressemitteilung

Sucht kennt keinen Feierabend: Betriebliche Suchtarbeit

Tabu: Über Trinken am Arbeitsplatz wird geschwiegen, obwohl dadurch jeder Handgriff gefährlich werden kann. Tabu: Über Trinken am Arbeitsplatz wird geschwiegen, obwohl dadurch jeder Handgriff gefährlich werden kann. Foto: Caritas Brilon Sandra Wamers

Brilon. Diesen Vorsatz fassen viele für das neue Jahr: weniger und gesünder essen. „Das Gleiche sollte auch für das Trinken gelten“, sagt Liliane Schafyiha-Canisius, Leiterin der Caritas-Suchtberatung. Alkohol ist Deutschlands problematischstes Suchtmittel: „Es ist überall zu haben und oftmals ist der Konsum nicht nur akzeptiert, sondern auch erwünscht“, weiß die Sucht-Expertin. Solange Alkohol nicht zur Abhängigkeit wird und das wiederum zu Problemen bei der Arbeit führt. Alkohol am Arbeitsplatz: Dieses Tabu will das Beratungsteam angehen, um Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu helfen.

 

Alkoholabhängigkeit am Arbeitsplatz in Zahlen
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat Daten und Fakten zusammengetragen. Danach sind etwa fünf Prozent der Arbeitnehmer alkoholabhängig – bei Führungskräften sogar bis zu zehn Prozent. Als problematisch Konsumierende werden Personen bezeichnet, die keine klinische Diagnose haben, bei denen die Arbeitsleistung aber aufgrund von Alkohol sinkt. Das sind ebenfalls zehn Prozent. Laut Statistik ist diese Gruppe gefährdeter: Sie fehlen 16-mal häufiger, darunter 2,5-mal häufiger acht und mehr Tage und erleiden 3,5-mal häufiger Arbeitsunfälle. In der Altersgruppe der 40- bis 50-jährigen lag die Zahl der Alkoholabhängen am höchsten. „Über 20 Prozent der Alkoholabhängigen werden vorzeitig pensioniert oder entlassen“, sagt Suchttherapeutin Schafiyha-Canisius. Neben dem sogenannten Absentismus, also die Abwesenheit, stehe der Präsentismus. „Das heißt, dass man zwar zur Arbeit kommt, aber aufgrund von Krankheit oder körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwäche weniger leisten kann, dafür mehr Fehler macht und Absprachen nicht einhält“, erklärt die Expertin und ergänzt: „Stichwort: Kater. Darunter leidet nicht nur der Betroffene, sondern auch das Betriebsklima.“

Weitere Risiken: Unfälle
Ein weiterer Risikofaktor sind Unfälle: „Bei bis zu 25 Prozent aller Arbeitsunfälle sind Personen unter Alkoholeinfluss involviert.“ Jährlich sterben circa 42.000 Menschen an den direkten Folgen von Alkoholmissbrauch. Insgesamt entstehen nach den Zahlen der Deutschen Suchtstelle 26,7 Milliarden Euro Schadenskosten zulasten der Volkswirtschaft aufgrund von Alkoholkonsum.

Liliane Schafyiha-Canisius, Leiterin der Caritas-SuchtberatungLiliane Schafyiha-Canisius, Leiterin der Caritas-SuchtberatungFoto: Caritas Brilon / Sandra Wamers

Betriebliche Suchtarbeit
„Wir geben konkrete Hilfe, wenn in einem Betrieb Mitarbeitende Probleme mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln haben“, sagt Beratungsstellenleiterin Schafiyha-Canisius. Zu dem Hilfen-Katalog gehören professionelle Gespräche mit Mitarbeitern und Vorgesetzten, Beratung und Information, sowie auf Wunsch auch die Vermittlung in eine stationäre oder ambulante Suchtbehandlung. Die Experten helfen auch, Leitlinien und Vereinbarungen im Umgang mit Suchtmitteln für das Unternehmen aufzustellen.  

Weiter arbeiten und gesund werden
Scham, dass die Sucht bekannt wird, oder Angst, die Arbeit zu verlieren: „Wir kennen die Gründe, warum Menschen meinen, dass eine Therapie unmöglich wäre“, sagt Liliane Schafiyha-Canisius. Aber die Vorbehalte sind unbegründet. „Bei der Ambulanten Suchttherapie kann der Betroffene parallel zur Arbeit eine Entwöhnungsbehandlung wahrnehmen“, erklärt die Expertin. Lange Ausfallzeiten gibt es nicht, denn die Therapiestunden finden meist nach 17 Uhr statt. Die Behandlung in Einzel- und Gruppentherapie dauert in der Regel ein Jahr.

Für Kontakt und mehr Informationen
Zum Einzugsgebiet der Caritas Sucht- und Drogenberatung gehört der gesamte Hochsauerlandkreis mit Ausnahme von Sundern und Arnsberg. Kontakt: Telefon 02961 7 79 97 70, psbb.brilon@caritas-brilon.de, www.caritas-brilon.de